Gerade ein Baby bekommen und trotzdem Lust zu reisen? Ging uns genauso. Nachdem wir zunächst über Bali nachgedacht hatten, entschieden wir uns für Toronto als erste große Reise: 8 Stunden und 15 Minuten Flug ab Paris mit einem Baby, das gerade drei Monate alt geworden war.
Auf dem Papier war das nicht unbedingt die einfachste mögliche Wahl. Genau das machte den Reiz aber auch aus: Wir wollten wissen, ob man eine große nordamerikanische Stadt mit Baby wirklich entspannt erkunden kann – mit Buggy, randvollem Rucksack und einem Tagesablauf, den Nickerchen und Fläschchen bestimmen.
Wenn euch schon die Anreise interessiert: Unser kompletter Erfahrungsbericht zum Langstreckenflug mit Air France und Baby ist separat verfügbar. Hier geht es um Toronto selbst.
Was „babyfreundlich“ für uns bedeutet
Eine babyfreundliche Stadt ist für uns eine Stadt, in der Fortbewegung, Wickeln, Füttern und eine spontane Pause nicht jedes Mal zu einer kleinen Mission werden.
Konkret schauen wir auf Platz für den Buggy, Barrierefreiheit im ÖPNV, Möglichkeiten zum Wickeln und Füttern, die Verfügbarkeit von Babybedarf vor Ort und darauf, ob man auch mal Tempo herausnehmen kann, ohne dass jede Planänderung sofort zum Problem wird.
Das sind vielleicht nicht die glamourösesten Kriterien. Genau sie entscheiden aber darüber, ob eine Reise entspannt bleibt oder jeden Tag zu einer Logistikübung wird.
Unser Reiseprofil
Wie wir reisen, beeinflusst das Urteil natürlich. Es war unsere erste Reise mit Baby, damals drei Monate alt. Entsprechend war unser Programm deutlich entspannter als früher zu zweit.
In diesem Alter gibt das Baby den Takt vor. Kein minutiöser Ablaufplan; wenn eine Pause nötig war, haben wir eine gemacht.
Unser Rucksack war bei jedem Ausflug voll: Wechselkleidung, Mulltuch, Flasche, Windeln, Feuchttücher, Wickelunterlage, Schnuller, Kühltasche, Flaschenwärmer, Muttermilch, Sonnenhut, Wickeltasche und Wasserflasche. Leichtes Reisen sah inzwischen anders aus.
Die richtige Unterkunft mit Baby finden
Mit Baby geht es bei der Unterkunft plötzlich nicht mehr nur um Viertel, Budget und Bewertungen. Zwei zusätzliche Kriterien waren für uns nicht verhandelbar: ein bestätigtes Reisebett – was die Auswahl deutlich verkleinert hat – und ein Kühlschrank für abgepumpte Muttermilch.
Wir haben Hotels und Airbnb verglichen. Hotels lagen für diesen Aufenthalt schlicht außerhalb unseres Budgets, also konzentrierten wir uns auf Airbnb. Mit Budget, Babybett und Kühlschrank als Pflichtfiltern wurde die Liste sehr schnell kurz.
Gefunden haben wir schließlich eine Unterkunft in Bloorcourt / Dovercourt Village, einem ruhigen Wohnviertel.
Viele der Toronto-Unterkünfte, die wir gesehen haben, waren Souterrainwohnungen. Auch unsere war nur über Treppen erreichbar. Mit Buggy nicht ideal, aber machbar. Der Cybex Orfeo 4 ist leicht genug, dass das tägliche Hoch- und Runtertragen kein großes Problem war. Mit unserem deutlich sperrigeren e-Gazelle S hätten wir darauf weniger Lust gehabt.
Mit dem Buggy zu Fuß durch Toronto
Toronto ist riesig und weitläufig: rund 631 km², also fast sechsmal so groß wie Paris innerhalb der Stadtgrenzen. Ein einzelnes Viertel lässt sich gut zu Fuß entdecken, zwischen den Stadtteilen wird der ÖPNV aber schnell sinnvoll.
In den Vierteln, die wir besucht haben, waren die Gehwege breit und mit Buggy wirklich angenehm. Nach manchen sehr schmalen Gehwegen in Frankreich war es ungewohnt entspannend, nicht ständig das Gefühl zu haben, allen im Weg zu stehen.
Fast immer hatten wir genug Platz, um an anderen vorbeizufahren oder kurz anzuhalten, ohne direkt am Straßenrand kleben zu müssen. Übergänge waren meist eben oder ausreichend abgesenkt, sodass wir den Buggy nur selten anheben mussten.
Wir waren nicht extrem viel shoppen, hatten in den Läden, die wir besucht haben, aber keine Probleme. Auch das Eaton Centre war unkompliziert: guter Zugang, mehrere Aufzüge und genug Platz, um sich mit Buggy zu bewegen.

Subway, Streetcar, Uber und Wassertaxi
Subway
Die unserem Airbnb nächstgelegene Station war Ossington: nicht Downtown, aber sehr gut angebunden.
Der Eingang, der unserer Unterkunft am nächsten lag, hatte keinen Aufzug. Für einen barrierefreien Zugang mussten wir ein Stück weiterlaufen. Kein Drama, aber genau so ein Detail, das man mit Buggy vor dem Losgehen gern weiß.
Die meisten Fahrten machten wir auf den Linien 1 und 2. Jede Station, die wir tatsächlich genutzt haben, hatte Aufzüge für Umstiege oder Ausgänge. Für unsere Wege funktionierte das gut.
Eine weitere positive Überraschung: Wir haben nie eine wirklich überfüllte Subway erlebt. Egal welche Linie oder Uhrzeit – es war genug Platz für den Buggy und andere Fahrgäste konnten sich weiter bewegen. Lag es am August, an unseren Uhrzeiten oder an der Ferienzeit? Vermutlich an einer Mischung. Während unseres Aufenthalts war Subwayfahren in Toronto fast entspannt – etwas, das wir über die Region Paris eher selten sagen würden.

Streetcar
Die Streetcar haben wir nur einmal genutzt, für ein paar Stationen von Casa Loma Richtung Kensington Market. Das reicht nicht für ein allgemeines Urteil. Auf genau dieser Fahrt war sie aber nicht voll und es gab reichlich Platz für den Buggy.

Uber
Wir haben außerdem zwei Ubers genutzt: einen vom Flughafen, weil unser Flug spät und verspätet ankam, und einen vom Airbnb zur Union Station bei der Abreise. Wir hatten unsere eigene Babyschale dabei und haben sie selbst eingebaut. SUVs sind dort häufig, und in beiden Kofferräumen war genug Platz für Gepäck, Rucksack, Buggy und Babyschale.
Unser französisches Uber-Konto funktionierte in Kanada ohne besondere Einrichtung.
Bonus: Wassertaxi zu den Toronto Islands
Für die Toronto Islands nahmen wir hin und zurück ein Wassertaxi statt der Fähre, deren Schlange an diesem Tag riesig aussah. Das Einsteigen mit Buggy war unkompliziert. Es waren nur wenige Fahrgäste an Bord und genug Platz, um den Buggy neben uns zu lassen.

Mit Buggy in Gebäude und Sehenswürdigkeiten
Eine der besten Überraschungen waren die vielen automatischen Türen und Taster für barrierefreies Öffnen. An vielen Orten drückt man einfach den Knopf und die Tür geht auf.
Zu zweit kann eine Person die Tür halten. Allein mit Kinderwagen macht so ein Taster vermutlich einen noch größeren Unterschied.
Auch die Aufzüge waren bei uns meist geräumig und mit Buggy leicht zu nutzen – teilweise sogar zusammen mit mehreren anderen Personen.
Vier Tage reichen natürlich nicht, um eine ganze Stadt zu bewerten. In den Orten und Vierteln, die wir tatsächlich getestet haben, wirkte Toronto aber sehr zugänglich.


Pausen, Wickeln und Babybedarf
Restaurants und Cafés
Für lange Restaurantbesuche haben wir uns während dieses Aufenthalts kaum hingesetzt. Mit einem so jungen Baby war schnelles Essen für uns einfach unkomplizierter.
Bei Starbucks und Tim Hortons haben wir Pausen gemacht. In beiden Fällen war der Zugang einfach und es gab genug Platz, den Buggy abzustellen, ohne andere Gäste zu stören.
Zwei Stopps reichen natürlich nicht, um Restaurants in Toronto allgemein zu bewerten. Für diese beiden hatten wir aber keine Probleme.
Unterwegs wickeln und füttern
Wickeln war überraschend einfach. Mit Ausnahme von Casa Loma hatten alle Orte, die wir besucht haben, Wickeltische sowohl auf den Herren- als auch auf den Damentoiletten.
Zum Stillen oder für ein Fläschchen fanden wir fast immer eine Bank, ein Café oder einen anderen Sitzplatz. Mit hungrigem Baby mussten wir nie kilometerweit nach einer Möglichkeit suchen – auch das zählt als Erfolg.

Windeln, Pre-Nahrung und Alltagsbedarf
Wir mussten Windeln nachkaufen und gingen dafür zu Shoppers Drug Mart, einer großen kanadischen Drogerie-/Apothekenkette mit vielen Alltagsprodukten.
In Frankreich nutzen wir normalerweise Pommette Größe 3. Anhand der Gewichtsangabe auf der Packung kauften wir Huggies Größe 2. Anfängerfehler. Die Passform wirkte deutlich kleiner als bei unseren französischen Windeln, und wir hatten mehrere Lecks.
Lektion gelernt: Eine Windelgröße lässt sich nicht automatisch von einem Markt auf den anderen übertragen. Später auf der Reise wechselten wir zu Pampers, die bei unserem Baby deutlich besser funktionierten.
Unser Baby wurde gestillt, deshalb mussten wir keine Säuglingsnahrung kaufen. Aus Neugier haben wir trotzdem geschaut und viele Marken bzw. Produktlinien nicht wiedererkannt, die wir aus Frankreich kennen.
Außerdem suchten wir nach Wattepads fürs Wickeln und fanden in dem von uns besuchten Laden keine. Die Regale waren deutlich stärker auf Feuchttücher ausgerichtet. Kein ernstes Problem – wer aber eine bestimmte Routine hat, sollte lieber einen kleinen Vorrat mitnehmen.
Probleme, die auch eine babyfreundliche Stadt nicht lösen kann
Wir hatten während des Aufenthalts zwei wirklich schwierige Momente – und keiner davon war Torontos Schuld: zwei heftige Schreiphasen, vermutlich aus einer Mischung aus Hunger und Müdigkeit.
Die zweite passierte in Chinatown. Am Ende standen wir auf der Straße und bereiteten dort ein Fläschchen zu, um unser Baby zu beruhigen. Nicht ideal, aber in dem Moment gab es wenig Alternativen.
Das war wahrscheinlich die wichtigste Lektion unserer ersten Reise: Auch in einer Stadt, die mit Buggy sehr unkompliziert ist, bleibt ein 3 Monate altes Baby eben ein 3 Monate altes Baby. Schlaf, Hunger und spontane Stimmung halten sich nicht immer an den Sightseeing-Plan.
Was wir in Toronto ausgegeben haben
Hier stehen nur Ausgaben, für die wir genaue Beträge behalten haben. Kanadische Dollar rechnen wir mit dem durchschnittlichen Tageskurs der Bank of Canada für August 2026 um: 1 CAD ≈ 0,6204 €.
Nicht enthalten sind Mahlzeiten, Lebensmittel, vor Ort gekaufte Babyprodukte und andere Ausgaben, für die wir keine exakten Beträge behalten haben. Ein ehrlicher Teilbetrag ist hilfreicher als ein erfundenes Komplettbudget.
Würden wir Toronto mit Baby empfehlen?
Ja, definitiv.
Während dieser viereinhalb Tage hatten wir nie das Gefühl, dass die Stadt selbst uns das Leben unnötig schwer macht. Buggy, ÖPNV, Geschäfte, Pausen, Wickeln oder spontane Einkäufe: Das meiste lief ziemlich selbstverständlich.
Für unsere erste große Reise mit einem 3 Monate alten Baby war Toronto eine ausgesprochen positive Überraschung.
- Breite Gehwege und unkompliziertes Vorankommen mit Buggy.
- Angenehme Subway- und Streetcar-Fahrten unter unseren Bedingungen.
- Viele automatische Türen, Taster und Aufzüge.
- Pausen und Wickeln waren an den meisten besuchten Orten einfach.
- Nicht jeder Subway-Eingang hat einen Aufzug.
- Windelgrößen und Passform können sich deutlich von bekannten französischen Produkten unterscheiden.
Ort für Ort im echten Alltag getestet
| Besuchter Ort | Buggyfreundlich? | Wickeltisch? |
|---|---|---|
| Toronto Pearson | Ja | Ja |
| CN Tower | Ja | Ja |
| Union Station | Ja | Ja |
| St. Lawrence Market | Ja | Nicht geprüft |
| Casa Loma | Nein | Nein |
| Kensington Market | Ja | Nicht geprüft |
| Chinatown | Ja | Nicht geprüft |
| Wassertaxi | Ja | Nein |
| Toronto Islands | Ja | Nicht geprüft |
| Distillery District | Ja | Ja |
| Niagara Falls | Ja | Ja |
| Niagara-on-the-Lake | Ja | Ja |
| Nathan Phillips Square | Ja | Nicht geprüft |
| Eaton Centre | Ja | Ja |
| Sankofa Square | Ja | Nicht geprüft |
| VIA Rail | Ja | Ja |
Erwähnte Produkte
Alle Produkte unten wurden während des Aufenthalts genutzt oder verglichen. Die Links führen zu offiziellen Seiten; PapaLab erhält dafür keine Provision.
Cybex Orfeo 4
Unser Buggy für Spaziergänge, Subway, Streetcar und Wassertaxi in Toronto.
Unseren vollständigen Test lesen →Pommette Agility Dry, Größe 3
Unsere üblichen Windeln in Frankreich – und damit die Referenz bei der Auswahl vor Ort.
Produktseite →Huggies, Größe 2
Anhand der Gewichtsangabe auf der Packung gewählt; bei unserem Baby wirkte die Passform zu klein und wir hatten mehrere Lecks.
Kanadisches Sortiment →Pampers
Die Alternative, die später auf der Reise bei unserem Baby besser funktionierte. Das genaue Modell haben wir nicht notiert.
Kanadisches Sortiment →Transparenz: Falls später Affiliate-Links hinzukommen, kennzeichnen wir sie klar. Sie verändern weder euren Preis noch unsere Meinung.
Quellen und Gegenprüfung
Regeln und Daten zuletzt am 26. August 2026 geprüft. Sie können sich vor eurer eigenen Reise ändern.
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